Schenken – nervig oder ein wichtiger Bestandteil des Umgangs miteinander?

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Weihnachten steht vor der Tür und wieder klagen viele darüber, weil sie das Schenken als Zwang empfinden ebenso wie über den damit verbundenen Konsumrausch und die völlig überfüllten Innenstädte. Doch auch wenn ich zuerst zustimmen will – denn auch ich mag nicht den lieblosen Austausch von Geschenken – so zögere ich doch letztendlich, weil Schenken eigentlich total schön ist. Daher halte ich es auch für völlig verkehrt mit dem Schenken aufzuhören, sondern versuche, indem ich mir den Ursprung des Schenkens bewusst mache, dem Schenken wieder eine mehr positive Richtung zugeben.

Mittlerweile können wir davon ausgehen, dass es bis etwa vor 6.000 Jahren eine matrifokale Gesellschaft gab, in der Schenken und Geben ein wichtiger Aspekt der Gemeinschaft war, auf dem das Wirtschaftssystem beruhte. So gaben die Menschen von ihrem Essen ab, wenn jemand aus der Gemeinschaft aus irgendeinem Grund nicht genug hatte, sie versorgten ihre Alten und Kranken ebenfalls erhielt ein hungriger Fremde Speis und Trank wie auch einen Platz zum Schlafen und falls jemand fror, etwas zum Wärmen, somit gaben die, die gerade mal etwas mehr hatten, denen die weniger hatten. In dieser Gesellschaft war Besitz unbekannt, sodass dies ganz selbstverständlich geschah.

Schenken oder einfach Geben ist also ein Überbleibsel wie auch ein Verweis auf eine aus meiner Sicht besseren und erstrebenswerteren Gesellschaftsform. Heute schenken wir zumeist nicht mehr denen, die es wirklich benötigen, obwohl es davon genügend gibt, sowohl in unserer Gemeinschaft als auch Fremde, die als Flüchtlinge an unsere Tür klopfen und um Hilfe bitten, die wir ihnen jedoch zu häufig verwehren. Sondern wir schenken denen, die wir gut kennen, die jedoch meist selbst genügend haben, dadurch kommt es zu dem oft beklagten weihnachtlichen Konsumrausch. Vielleicht sollten wir denen, für die uns kaum was einfällt, weil sie bereits viel zu viel haben, lieber nur eine liebevolle Aufmerksamkeit schenken wie selbstgebackene Kekse etc. oder sie ein neues Buch entdecken lassen und zusammen denen was schenken, die es wirklich brauchen.

Schenken in seiner Grundform macht sowohl dem Beschenkten als auch dem Schenker Freude und sollte beiden ein gutes Gefühl vermitteln und falls das mal nicht zutrifft, ist es bereits zu sehr vom bestehenden System korrumpiert worden, sodass wir uns einfach an den Ursprung des Schenkens erinnern sollten, um es in diesem Sinne wieder zu modifizieren.

Übrigens, ich würde viel lieber in einer Welt leben, in der jeder hat, was er benötigt, einem Gesellschaftssystem, das dem vor 6.000 Jahren gleicht, denn es wäre eine gerechtere Welt, die eine Zukunft hat. Denn das System der Ungleichheit und dem damit verbundenen Wunsch nach immer mehr führt unweigerlich zu einer Zerstörung unseres Miteinanders, unserer Umwelt und somit auch zu der unsrigen. Ach, und die Argumentation es reicht nicht für alle, stimmt so auch nicht, denn wir werfen soviel Lebensmittel weg, dass diese zur Ernährung der gesamten Menschheit genügen würden und auch alles andere würde reichen, wenn wir wir damit anders umgehen würden. Auch vermute ich, dass wenn Frauen alleine über ihren Körper wieder bestimmen würden – auch was mir an einer matrifokalen Gesellschaft gefällt – es keine Überbevölkerung gäbe, wodurch dann auch einige Probleme der Menschheit wegfallen würden. Wir werden jedoch diese matrifokale Gesellschaftsform leider nicht so einfach wieder etablieren können, aber es wäre sicherlich erstrebenswert und die Rettung aus der Misere, in der wir stecken.

Wenn wir also unzufrieden sind, wie der weihnachtliche Geschenke-Rausch abläuft, sollten wir uns nicht nur darüber beklagen, sondern einfach das, was uns daran stört, für uns und unser Umfeld abändern und verbessern, sodass uns allen wieder das Schenken Spaß macht.

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Mileva Marić und die Relativitätstheorie

Brief von Albert Einstein an seine erste Frau Mileva Marić:

Screenshot-2017-12-19 Albert Einstein Imposes on His First Wife a Cruel List of Marital Demands



Am 19.12.1875 wurde Mileva Marić geboren. Sie war Physikerin und die erste Frau Albert Einsteins. Ich bin überzeugt, dass sie im Grunde den Nobelpreis, den Einstein erhalten hat, verdient hätte. Zumindest hat er ihr das Preisgeld überlassen, für viele ein Hinweis, dass es im Grunde ihre Arbeit war. Und obwohl alle Jahre wieder Artikel erscheinen, die ihren Anteil daran herausheben, gerät diese Information immer wieder in Vergessenheit. Oft wird dabei auch angedeutet, dass Albert Einstein, trotz des positiven und charmanten Bildes in der Öffentlichkeit, kein netter Mensch war. Auch das gerät scheinbar immer wieder in Vergessenheit, denn in meine Twitter Timeline flattern mir mit eine gewissen Regelmäßigkeit liebenswerte und intelligente Sprüche, die angeblich von A. Einstein stammen. Wenn sie von ihm stammen, hat er sich nur leider nie daran gehalten.

Ich finde es erschreckend, wie das schon lange bekannte Wissen um den Anteil von Mileva Marić an der Relativitätstheorie immer wieder verdrängt wird, sodass es immer wieder nötig ist, längst Bekanntes ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Auch das Glorifizieren der Person Einsteins verwundert mich, trotz den bereits vorhanden bekannten Tatsachen über ihn. Sein Verhalten gegenüber seiner Ehefrau Mileva Marić und seiner vorehelichen Tochter mit dieser, die Mileva Marić bei ihren Eltern gebar, zeigen sein kaltes und herzloses Wesen. Einstein wollte dieses Kind nie sehen und bis heute gibt es nur Vermutungen über den Verbleib diese Tochter. Auch an seinen späteren ehelich geboren Söhnen hegte er wenig Interesse und kümmerte sich nicht wirklich um diese, nicht einmal finanziell unterstützt er sie regelmäßig. Sein Anordnungen, wie sein erste Frau sich zu verhalten hatte, legte er schriftlich fest. Dieser Brief findet sich auch in dem Buch Die Masken der Niedertracht: Seelische Gewalt im Alltag und wie man sich dagegen wehren kann von Marie-France Hirigoyen. Das sagt wohl alles und doch wird Albert Einstein immer wieder als freundlich, humorvoll und liebenswert dargestellt.

Viele entschuldigen solch ein egoistisches Verhalten oft mit der Brillanz des Mannes, der über solchen niedrigen Aufgaben wie Kinderversorgung steht. Dazu benötigt es nicht einmal der Brillanz einer Relativitätstheorie, um diese Entschuldigung für sich geltend zu machen. Auch viele ganz normaler Männer nutzen diese Entschuldigung für ihr Verhalten.

Doch auch bei der Brillanz Einsteins habe ich so meine Zweifel. Denn seine späteren herablassen Äußerungen und Gedanken zur Quantentheorie zeigen aus meiner Sicht in keiner Weise den herausragenden Verstand und Denkweise, der hinter der Relativitätstheorie steht, sodass für mich nahe liegt, dass beides nicht dem selben Gehirn entstammt. Auffallend ist auch, dass später keine weiteren interessanten Ideen und Gedanken folgten. Mir erscheint Albert Einstein allenfalls mittelmäßig. Denn obwohl immer wieder betont wird, dass Albert Einstein einen hohen IQ hat, wurde er meines Wissens nach nie getestet, sodass die Einschätzung dazu wahrscheinlich auf den ihm zugeordneten Arbeiten beruht und damit wahrscheinlich eher den IQ von Mileva Marić wiedergibt.

Am Anfang meines Physikstudiums hörte ich einen Vortrag zu A. Einstein, in dem berechtigte Zweifel an seiner Urheberschaft der Relativitätstheorie erhoben wurden. Es wurde vielmehr die Meinung vertreten, dass seine damaligen Frau Mileva Marić, die eigentliche Urheberin dahinter ist. Nicht nur mir, als einzige Frau dabei, leuchteten die Erklärungen schon damals völlig ein, sondern allen anderen waren danach ebenfalls davon überzeugt. Auch heute noch bin ich überzeugt, dass Mileva Marić die geniale Schöpferin der Relativitätstheorie ist. Es sind viele kleine Details, die mich zur Überzeugung gelangen ließen, dass sie nicht nur die Theorie mit ihm diskutiert hat, sondern dass sie sogar in erster Linie für die Relativitätstheorie verantwortlich ist. Zum einen sind es die verschiedenen Hinweise, die an verschiedenen Stellen erwähnt werden wie handschriftliche Korrekturen – auch noch später in seinen Vorlesungen ebenso wie Briefe, die zeigen, dass auf jeden Fall zumindest beide beteiligt waren und Aufzeichnungen in ihrer Handschrift. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein so kaltherziger, geiziger Mensch, der weder Mileva Marić heiratete, als sie von ihm schwanger war – dabei müssen wir bedenken, dass es damals eine andere Zeit war, in der uneheliche Kinder gesellschaftlich nicht akzeptabel waren – noch seine späteren Kinder finanziell ausreichend versorgte, so einfach sein Preisgeld seiner Exfrau überlässt. Es kann daher angenommen werden, dass eine Übereinkunft bestand, sodass er ihr das Geld überließ und er den Ruhm und Anstellungen für ihre Arbeit erhielt. Ich vermute auch, dass er dazu bereit war, da sie damals hätte aufzeigen können, dass es ihre Arbeit war, ansonsten hätte er ihr gewiss nicht die volle Summe überlassen.

Andererseits müssen wir auch ihr Verhalten in dieser übergriffigen und ungesunden Beziehung sehen, denn obwohl er sie mit dem ersten Kind im Stich gelassen hat, blieb sie mit ihm zusammen, heiratet ihn dann später und bekommt weitere Kinder mit ihm. Wir kennen solche ständig Grenzen überschreitenden Beziehungen, in denen sein Fehlverhalten von der Frau vertuscht wird und alles versucht wird, damit er von anderen so positiv wie möglich wahrgenommen wird und die Frauen sich selbst total zurücknehmen. Dem vorangestellten Brief und den anderen Informationen nach, die von dieser Beziehung bekannt sind, war dies eben genau so eine Beziehung, sodass schon daher angenommen werden kann, dass sie ebenso alles machte, damit er nach außen einen guten Eindruck vermittelte und ihm so relativ bereitwillig ihre Brillanz und ihre Ideen überlies. Jedoch musste sie bei der Scheidung auch an die Versorgung ihrer Kinder denken, von dem eins behindert war, daher bestand sie zumindest auf das Geld für ihre Arbeit.

Betrachten wir die Entwicklung der beiden von klein auf, so ist sie ganz sicherlich hochbegabt und der Genie und nicht er, denn weder vor noch nach ihr zeigt er davon auch nur Anzeichen. Auch sein fehlendes Potential, die nötige Mathematik auch nur zu verstehen, bestätigt dies. Ich bin also überzeugt, dass wir Mileva Marić die Relativitätstheorie zu verdanken haben.

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Alle Jahre wieder, so um die Weihnachtszeit herum, stellt sich die Frage nach Gott oder Göttin

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Alle Jahre wieder wird darauf aufmerksam gemacht, dass Gott nicht unbedingt männlich sein muss, sondern vielleicht eine Göttin oder beides in einem oder sich einfach nicht einordnen lässt. Auch ich habe schon darüber geschrieben, dabei habe ich ein kleines Gedankenspiel gemacht, was alles anders wäre, wenn der Gott der Bibel weiblich wäre. Ebenso wie Margarete Stokowski in ihrem Artikel im Spiegel kam ich dabei zu dem Schluss, dass in einer Gesellschaft mit einer Göttin, Frauen wahrscheinlich viel eher gleichberechtigt alle Positionen besetzen könnten – mit dann vielleicht gleicher Bezahlung. Es würde sich also hoffentlich einiges ändern, wenn Gott ein anderes oder einfach gar kein Geschlecht hätte. Andererseits konnten wir mittlerweile feststellen, dass auch wenn Frauen in Führungspositionen sitzen, es nicht immer für alle andere Frauen zu positiven Veränderungen kommt wie in Deutschland unter Angela Merkel oder in UK unter Margaret Thatcher oder jetzt unter Theresa May. In Schottland mit Nicola Sturgeon sieht es jedoch anders aus, sie ist Feministin und setzt sich für uns Frauen ein.

Margarete Stokowski äußerte in ihrem Artikel, dass “es keine göttliche Eigenschaft [gibt], die es rechtfertigen würde, Gott wie einen Mann anzusprechen“. In bin mir da nicht so sicher, denn die Mutter Jesus‘ klang recht verzweifelt als Jesus ans Kreuz genagelt wurde und hätte sicherlich alles getan, um die Kreuzigung zu verhindern – wie jede andere Mutter auch. Als er Gott anflehte, diesen Kelch an ihm vorüber gehen zulassen – na ja, wir wissen, das dies nicht geschehen ist. Meines Erachtens gäbe es daher höchstwahrscheinlich das Christentum nicht, wenn Gott weiblich wäre. Denn welche Mutter würde so etwas von ihrem Kind verlangen oder es auch nur zulassen? Aber das ist nur so ein Gedanke von mir.

Mit einer Göttin würde die katholische Kirche in ihrer jetzigen Form auch irgendwie ad absurdum geführt werden, denn der Papst wäre eine Frau, könnte zumindest eine sein. Manche vermuten, dass eigentlich Maria Magdalena und nicht Petrus das Wort Gottes auf Erden verbreiten sollte. Daran angelehnt, würden dann Frauen das Wort Gottes auslegen. Das würde sicherlich grundlegende Veränderungen beinhalten, denn welche Mutter lässt ihre Kinder hungern, wenn sie so reichlich hat wie die katholische Kirche? Auch Sarah Silverman hat da eine ganz sinnvolle Idee, wie das Problem gelöst werden könnte. Also wenn ich oder eben Sarah Silverman Päpstin wären …



Margarete Stokowski stellt fest, dass es keine Gleichberechtigung in einer Welt geben kann, in der der einzige Gott männlich ist. Daher wäre für uns Frauen eine Göttin sicherlich die bessere Wahl. Aber wir müssen hier noch einen Schritt weiter gehen. Denn es sind die hierarchischen Strukturen des Patriarchats, die Diskriminierung und Ungleichheit ermöglichen. Diese Strukturen würden beibehalten bleiben, wenn wir den männlichen Gott einfach nur durch einen weiblichen oder geschlechtsneutralen Gott ersetzen würden, der weiterhin über uns steht und dem wir gehorchen sollen. Auch die Unterteilung in Gut und Böse führt zu Hierarchien. Hierarchien finden sind an verschiedenen Stellen der Bibel und des christlichen Glaubens. Gott steht über uns Menschen ebenso stehen die Engel über uns, aber unter Gott und so weiter. Hierarchien führen aber unweigerlich zu Diskriminierungen, denn um in der Hierarchie aufzurücken, ist es nötig sich von anderen – vermeintlich unter einem stehend – abzugrenzen. Dies wäre in einer nicht hierarchischen Gesellschaft nicht akzeptable und machbar. Rassismus und Diskriminierung in jeglicher Form wäre dabei hinfällig. Auch das Streben nach Gewinn, das verhindert, dass zum Beispiel Lebensmittel, die zur Verfügung stehen, optimal für alle genutzt werden, und somit zu Hunger führt, ist eng mit hierarchische Strukturen verbunden. Nur in einer hierarchisch strukturierten Gesellschaft besteht der Wunsch nach Gewinn, um sich eben von anderen abzugrenzen und in der Hierarchie höher zu rücken. Würden wie diese hinter uns lassen, hätten wir das Problem der Ernährung sowie der knappen Rohstoffe schon so gut wie gelöst ebenso wie jegliche Form von Diskriminierung und Unterdrückung.

Wir wissen jedoch mittlerweile, dass es vor dem Patriarchat eine Gesellschaft gab, in der die Mutter im Zentrum stand. Entsprechen gab es dazu natürlich eine Göttin. Diese Gesellschaft besaß keine hierarchischen Strukturen. Somit wissen wir schon einmal, dass dies alles nicht grundlegende menschliche Eigenschaften sind, von dem es kein Entkommen gibt. Wir können dies ändern und sollten es somit auch dringend. Es ist daher interessant, mal einen Blick auf die Göttin dieser Gesellschaft zu werfen, um zu sehen, dass es nicht ausreicht den männlichen Gott des Christentums durch eine weibliche Variante zu ersetzen, um eine Äquivalent zur Göttin des Neolithikums zu erhalten und deren friedlichen Gesellschaft, sondern die Unterschiede viel grundlegender sind.

Die Göttin des Neolithikums herrschte nicht über die Welt, sondern war ein Teil davon. Dies kommt in zahlreichen Kultgegenständen zum Ausdruck, in denen die Göttin durch verschiedene Tiere symbolisiert wird. Tiere waren nichts untergeordnetes, sondern in ihnen materialisierte sich die Göttin ebenso wie in der Natur, z.B. in Quellen und anderen Naturerscheinungen. Daraus ergab sich die Achtung und der Respekt der belebten und unbelebten Natur gegenüber, die den meisten Menschen heute völlig abhanden gekommen ist. Die gesamte Erde wie Bäume, Blumen und Steine, Meer wie Wüste, alles wurde als Manifestation der göttlichen Energie betrachtet. Daraus ergibt sich folgerichtig, dass sie diese Manifestation achteten und ehrten und somit für schützenswert hielten. Eine Denkweise, die heute für den Umweltschutz sehr hilfreich wäre.

Unterdrückung und Ausbeutung, wie sie heute besteht, waren nicht Teil dieser Religion und somit auch nicht der dazugehörigen Gesellschaft. Andersartigkeit wurde als Zeichen der tausendfältigen Schönheit der Göttin betrachtet und nicht als Anlass zur Diskriminierung.

Hingegen ist der christliche Gott nicht Teil der Welt, er herrscht vom Himmel – von außen – über diese wie auch über die Menschheit. Ihr erinnert euch im alten Testament der Bibel steht: „Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen.“

Wir haben hier also zwei völlig grundverschiedene Konzepte zur Verfügung. Göttin ist also nicht einfach gleich Göttin und damit unterscheiden sich ebenso die dazugehörigen Gesellschaften. Daher stellt sich die Frage, was für eine Gesellschaft wir sein möchten. Obwohl so richtig besteht die Auswahl nicht, denn nicht nur Trump, der eventuell auf den falschen Knopf drückt und damit möglicherweise einen Atomkrieg auslöst, gefährdet das Überleben der Menschheit, sondern ebenso der Klimawandel und die Zerstörung unserer Umwelt. Wenn wir also nicht lebensmüde sind, kann es nur eine Entscheidung für uns geben.

Für mich beschreibt das Paradies den Zustand, der auf der Erde herrschte bevor, dass Patriarchat entstand. Diesen Zustand zumindest in einer modifizierten Form wieder zu erlangen, ist sicherlich auch für gläubige Christin erstrebenswert. Nach der Bibel wurde die Menschheit aus dem Paradies vertrieben, da Adam vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse aß. Die Unterscheidung in Gut und Böse ist gleichzeitig Ausdruck von Hierarchien. Der eine ist besser als der andere und steht daher über ihm, also in der Hierarchie höher. Somit wird nach der Bibel im Grunde das Etablieren von Hierarchien, die Unterteilung in Gut und Böse, für die Vertreibung der Menschheit aus dem Garten Eden verantwortlich gemacht. Aus dieser Sichtweise macht dann auch der Begriff Erbsünde Sinn, da die Strukturen und somit die Probleme die daraus resultieren, an weitere Generationen „vererbt“ werden und somit weiter Ungerechtigkeiten und Gewalt folgt. Gelingt es uns also, diese Hierarchien und somit das Patriarchat hinter uns zulassen, so gelangen wir wieder ins Paradies, in dem es weder Hunger, noch Krieg, Armut, Rassismus oder Unterdrückung und Ausbeutung gibt, denn dies sind systemimmanente Auswirkungen des Patriarchats mit seinen hierarchischen Strukturen.

Da es in der Geschichte der Menschheit bereits so eine Gesellschaft gab, wissen wir, dass der Mensch prinzipiell in der Lage ist, so eine friedliche Gemeinschaft zu formen. Wir müssen jetzt nur noch Wege dahin finden. Insbesondere im englischsprachigen Raum – bedingt durch Trump und Brexit – wächst die Einsicht in die Notwendigkeit, Wege aus dieser katastrophalen Situation zu finden. Doch dazu müssen wir erst einmal klar die zugrundeliegende Ursachen benennen, was vielen schwer fällt. In meinem neuen Buch „Save the World – Wege aus dem Trump-Desaster und dem Klimawandel“ zeige ich unter anderem verschiedene Wege in eben diese mögliche Zukunft der Menschheit auf.

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Das wichtigste Buch des Jahres 2017 No is not enough oder wie der Titel der deutschen Ausgabe lautet Gegen Trump: Der Aufstieg der neuen Schock-Politik und was wir jetzt tun können von Naomi Klein

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Dieses Buch unterscheidet sich ein wenig von ihren anderen Büchern, die ich hier alle nur unbedingt empfehlen kann, insbesondere Die Schock-Strategie ist ein Buch, das jeder gelesen haben sollte. Naomi Klein, eine der wichtigsten und interessantesten Stimmen zur Zeit, die Zusammenhänge aufdeckt und sich intensive dafür einsetzt, die damit zusammenhängenden Missstände zu eliminieren, schreibt auch für Intercept. Es lohnt sich ihre Artikel ebenso wie die der anderen dort zu lesen. Ihre Bücher sind Sachbücher und keine Trallala-Geschichten, das macht es vielleicht für den ein oder anderen schwerer sich ihren großartigen Büchern zu stellen, aber bevor sie Wirklichkeit werden, sollten wir doch lieber lesen, wie wir diese Wirklichkeit verhindern können. Darüber hinaus sind ihre Bücher fesselnd und gut geschrieben. Ihre Gedankengänge lassen sich leicht verfolgen und sind spannend. Immer sind ihre Bücher sorgfältig recherchiert, daher benötigt sie normalerweise meist etwas längere Zeit für jedes einzelne, bevor sie es veröffentlicht. Doch diesmal hat sie ihre Vorgehensweise aufgrund der dringenden Thematik aufgegeben, denn es ist essentiell, dass wir schnell handeln. Daher hat sie in einem enormen Tempo dieses Buch geschrieben und sich in dieser Zeit intensiv nur darauf konzentriert und alles andere beiseite geschoben. Ebenso hat der deutsche Verlag in einem gigantischen Tempo es geschafft das Buch zu übersetzen und es dem deutschsprachigen Leser zugänglich zu machen. Daher sollten hier auch bewundernd auf die Übersetzerinnen Gabriele Gockel, Sonja Schuhmacher und Claus Varrelmann des Fischer Verlages hingewiesen werden.

Naomi Klein begnügt sich in diesem Buch nicht nur Mechanismen zu entlarven, sondern sie gibt uns ganz konkrete Vorschläge und Ideen an die Hand wie Protest und Widerstand möglich ist. Dabei greift sie auf ihre Erfahrungen und Engagement in Protestbewegungen zurück, um daraus erfolgreiche Verhaltensweisen herzuleiten. So ist dieses Buch trotz der möglichen bedrückenden Zukunft, die sich vor uns aufstellt, ausgesprochen positiv, denn es zeigt Möglichkeiten, wie wir diese Zukunft vermeiden und stattdessen eine positiven Zukunft für uns formen können.

Eine wichtige Frage, die sie im Buch stellt, ist nach dem Berührungspunkt, den alle unsere Probleme gemeinsam haben, nach dem verbindenden Element – das sie jedoch letztendlich nicht klar benennt – zwischen Klimawandel, Rassismus, Ungleichheit und der Verletzungen der Rechte von Ureinwohner, Minderheiten und Frauen etc.. Denn obwohl diverse Organisationen sich ernsthaft einsetzen, um konkrete Probleme zu lösen, so müssen wir letztendlich feststellen, dass sich nichts wirklich geändert hat. Bisher doktern wir lediglich an den Symptomen herum, ohne die Ursache zu beheben. Die Ursache ist die patriarchale Gesellschaft mit ihrer hierarchischen Struktur, ohne die es nicht all die oben genannten Probleme gäbe. Um unsere Probleme zu lösen, müssen wir daher diese patriarchalische Gesellschaft überwinden. Ich habe diese zugrundeliegende Ursache in meinem Buch Save the World – Wege aus dem Trump-Desaster und dem Klimawandel näher analysiert und Möglichkeiten aufgezeigt, wie diese unnatürlich Gesellschaftsform hinter uns lassen können.

Darüber hinaus macht Naomi Klein auf einen wichtigen Aspekt aufmerksam. Denn es genügt eben nicht nur „Nein“ zu sagen, wir müssen ebenfalls einen Gegenentwurf haben. Es reicht eben nicht nur zu wissen, was wir nicht wollen, sondern wir müssen auch wissen, was wir wollen, um es zu realisieren. Denn wenn unser einziges Ziel darin besteht, diejenigen zu stoppen, die uns versuchen zu manipulieren, um gegen unseren Bedürfnisse und Wünsche zu handeln, können wir nicht gewinnen. Wir werden dann immer einer Schritt hinterherhinken. Vielmehr müssen wir selber ein Gegenmodell entwickeln – unsere Vorstellung davon wie die Welt, in der wir leben, sein soll. Wir können nur gewinnen, indem wir ein eigenes positives und konstruktives Ziel vor Augen haben, das wir anstreben. Naomi Klein gibt zwar einige Eckpunkte an, die aus ihrer Sicht, diese Utopie erfüllen muss, jedoch überlässt sie es anderen, konkrete Ideen für diese Utopie zu entwickeln. In meinem neuen Buch Save the World – Wege aus dem Trump-Desaster und dem Klimawandel beschreibe ich eine solche Utopie und zeige mögliche Wege dorthin auf.

Meine Utopie lehnt sich an die Mutter zentrierte Gesellschaft an, die unser Zusammenleben bestimmte, bevor sie von der patriarchalen Gesellschaft mit ihren hierarchischen Strukturen abgelöst wurde. Diese hierarchischen Strukturen sind die Ursache für die Diskriminierung anderer ebenso wie für die ungleiche Verteilung. In einer nicht hierarchischen Gesellschaft besteht kein Anlass eine Gruppe (wie an uns Frauen zu sehen ist, muss es nicht einmal eine Minderheit sein) zu diskriminieren, um sich so zu bereichern und um die Hierarchien aufrechtzuerhalten. Dies wäre in einer nicht hierarchischen Gesellschaft nicht akzeptable und machbar. Rassismus und Diskriminierung in jeglicher Form wäre damit hinfällig. Im Grunde profitiert von dem zur Zeit bestehenden System nur eine kleine, extrem reiche Minderheit. Nicht nur Frauen würden von dieser Utopie profitieren, sondern eben die 99 %, die die Occupy-Bewegung bereits in den Vordergrund gestellt hat. Damit sind zum Beispiel auch Arbeiter gemeint, die ständig um ihren Job fürchten müssen und von existenziellen Sorgen geplagt werden wie auch die Mittelschicht, die ständig in der Angst vor dem sozialen Abstieg lebt. Diese Utopie vereinigt unterschiedliche Menschen und ihre Probleme und wir sollten uns zusammentun, um diese zu realisieren.

Auch wenn der deutsche Titel des Buches sich auf Trump bezieht, so ist die dieses Buch ebenfalls für Deutschland eines der wichtigsten Bücher dieses Jahres. Denn die Mechanismen die Trump an die Macht gebracht haben, können ebenfalls in Deutschland noch greifen. Problematisch ist dabei immer, wie auch im Buch deutlich wird, dass die Ereignisse dann sehr schnell ablaufen werden, da dies Teil der von Naomi Klein ausführlich erklärten Schock-Strategie ist. Wir haben dies bereits in der Türkei gesehen, wo Menschen es nicht mehr geschafft haben das Land zu verlassen und am Flughafen verhaftet wurden. Auch Trumps Einreiseverbot – auch wenn es nachher zurückgenommen wurde – überraschte viele auf ihren Flügen oder im Urlaub. Für manche war es nur unbequem und teuer, andere hatten mehr Pech und für manche endete dieses Intermezzo tödlich. Daher ist es nötig, sich rechtzeitig mit dem Thema zu beschäftigen, um vorbereitet zu sein. Im Zusammenhang mit den Artikeln im Guardian/Observer von Carole Cadwalladr, die dem Geld folgt und so Verbindungen zwischen Trump, Brexit und Putin herstellt, kann vermutet werden, dass es nicht bei den USA und UK bleiben wird. Deutschland wäre ein weiterer geeigneter Kandidat, sodass auch hier ein kritischer Blick auf zukünftige Ereignisse bestehen muss und das Buch Gegen Trump: Der Aufstieg der neuen Schock-Politik und was wir jetzt tun können von Naomi Klein hilft frühzeitig zu erkennen, wann unsere Demokratie untergraben wird und wie wir uns dagegen wehren können. Aber es ist nicht nur Trump, der eventuell auf den falschen Knopf drückt und damit unsere Zukunft gefährdet, sondern diese war schon vorher durch Klimawandel etc. bedroht. Mit Donald Trump sollte jedoch fast allen Menschen klar sein, dass die Menschheit an einen Punkt angelangt ist, an dem nicht mehr zu leugnen ist, dass es so nicht weitergehen kann und wir dringend einen neuen Weg finden müssen, damit wir, unser Kinder und Kindeskinder eine Zukunft haben werden. Naomi Klein zeigt uns mit ihrem Buch einen Weg auf, wie wir diese Zukunft erreichen können. Daher ist dieses Buch sicherlich das wichtigste Buch dieses Jahres.

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Das Herz kommt zuletzt von Margaret Atwood

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Gleich vorweg, mich begeistern alle Bücher von Margaret Atwood, obwohl sie teilweise recht unterschiedlich sind. Sie ist daher schon sehr lange meine liebste Autorin und ich freue mich immer wieder, wenn ein neues Buch von ihr erscheint und stürze mich sogleich mit Begeisterung darauf. Daher wünsche ich ihr jedes Jahr den Nobelpreis für Literatur, den sie mehr als verdient hat. Zumindest ist sie dieses Jahr mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden, was mich sehr gefreut hat. Zwei ihrer Bücher sind gerade als Serien verfilmt worden, über die ich hier sicherlich auch noch schreiben werde, zum einen Der Report der Magd, auf dessen zweite Staffel ich schon gespannt warte, da diese über das Buch hinausgehen wird, und zum anderen Alias Grace. Ihre Bücher begleiten mich schon sehr lange und auch ganz junge Menschen entdecken immer wieder ihre Begeisterung für diese großartige Autorin, wie bei der Lesung letztes Jahr im King’s Theatre in Edinburgh zu sehen war, bei der jung und alt strahlend nebeneinander saßen. Zum einen spricht sie Themen an, die mich interessieren wie Umweltschutz, Zukunft, Natur, Feminismus und Gesellschaft. Aber vielleicht interessieren mich diese Themen so sehr, weil ich schon früh angefangen habe ihre Bücher zu lesen? Egal, denn es ist nicht nur die fesselnde Thematik, sondern sie schreibt ganz wunderbar und entwickelt faszinierende Geschichten, in die vieles Verschiedene verwoben ist, so dass wir ihre Bücher immer wieder lesen möchten.

In das Das Herz kommt zuletzt wird eine nahe Zukunft beschrieben aus der Sicht von Charmaine und Stan. Einem jungen, scheinbar zuvor recht bürgerlichem Paar, das wie so viele alles verloren haben und daher in ihrem Auto leben. Durch einen Werbespot werden sie auf eine Modellstadt aufmerksam, in der alles perfekt scheint. Aber seit den Frauen von Stepford wissen wir, dass dem nicht immer so ist und dies berechtigter Weise lediglich die Spannung erheblich ansteigen lässt, denn die beiden erhalten letztendlich zusammen einen Platz dort. Aber natürlich ist damit nicht alles wieder gut und damit das Ende der Geschichte erreicht, sondern vielmehr beginnt erst jetzt die wirkliche Geschichte sich zu entwickeln.

Ein Faden ist zum Beispiel die Figur der Charmaine, die mit den anderen Personen, zu einer packenden Geschichte verwoben wird, denn ohne Charmains berechenbares Verhalten gäbe es keine Geschichte. Zunächst wirkt sie eher etwas langweilig und bieder. Wir alle kennen so Frauen wie Charmaine. Frauen die eine ähnliche Vergangenheit haben, die wir zwar nicht immer kennen, doch ihr daraus resultierendes Verhalten ist uns meist recht vertraut – obwohl es in unserem Alltag meist nicht zu so extremen Situationen wie im Buch kommt und wir daher nicht unbedingt die enormen gesellschaftlichen Auswirkungen einer solch prägenden Kindheit erfassen. Wie der aufmerksame Leser, der gelernt hat hinzuschauen, diesen Zusammenhang erkennt, so nutzen einige der anderen Protagonisten die Berechenbarkeit ihres Verhaltens, wodurch sich eine skurrile, witzige und zugleich spannende Geschichte vor den Augen des Lesers entfaltet.

Charmaine kommt ihrer Pflicht nach, zwar mit ein paar Tränen, jedoch letztendlich ganz nach Vorschrift und tötet scheinbar ihren Ehemann. Nicht weil sie es will und er es aus ihrer Sicht verdient hätte, sondern weil ihr die Aufgabe zugeteilt wurde. Sie ist ganz Pflichterfüllung, gehorcht brav und stellt nichts in Frage. Stan ist auch nicht der erste, dem eine Sonderbehandlung von ihr zuteil wurde. Auf den ersten Blick ist dieses Verhalten vielleicht schwer nachzuvollziehen, doch irgendwie scheint es uns schlüssig, wenn wir die Puzzleteilchen zusammenfügen. Denn Charmaine ist traumatisiert aufgrund von Missbrauchserfahrungen und Gewalt in der Kindheit mit all den negativen Konsequenzen, die nur schwer zu überwinden sind. Sie ist emotional stumpf gegen sich und andere ebenso hat sie gelernt ohne Widerworte zu gehorchen. Daher ist sie ebenfalls besonders empfänglich für die diversen Manipulationen, wie auch in unserer Wirklichkeit viele empfänglich für Fake News, Bots etc. sind. Charmaine verdrängt so ziemlich alles ebenfalls eine Überlebensstrategie aus ihrer Kindheit und versucht alles positiv zu sehen. Wir kennen dieses Verhalten alle, denn obwohl wir den Klimawandel und weitere dringende Probleme stoppen müssen, ignorieren bzw. verdrängen die meisten diese Probleme und machen einfach weiter – ebenso wie Charmaine. Auch wundern wir uns, wie für Brexit oder Trump gestimmt werden konnte. Aber wir wissen ebenfalls, dass 44 % aller Frauen in Deutschland körperliche, sexuelle oder psychische Gewalt vor ihrem 15. Lebensjahr erlebt haben. Also, warum wundern wir uns, dass es so viele Charmains gibt, wenn es so viele Frauen mit ähnlichen Erfahrungen gibt und damit mit ähnlichen Verhaltensmustern?

Margaret Atwood stößt mit ihren Figuren solche Denkweisen an, wenn wir gedanklich einen der verwobenen Fäden aufheben und weiter verfolgen. Aber das bleibt ganz uns überlassen, ob wir einen der Fäden aufheben und welchen. Denn auch wenn wir erst mal alle Fäden liegen lassen, so ziehen uns die Geschichten von Margaret Atwood immer in ihren Bann, dem wir nicht entkommen können.

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Any Day Now – berührender Film mit Alan Cumming

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Letztens habe ich zufällig den Film Any Day Now gesehen, von dem ich bisher noch nichts gehört hatte, obwohl er nicht neu ist, sondern aus dem Jahre 2012 stammt. Da er jedoch mit dem Schotten Alan Cumming ist, der sicher den meisten durch seine Rolle in The Good Wife bekannt ist, habe ich weitergeschaut und fand ihn ausgesprochen lohnenswert – ein Film der sicherlich mehr Beachtung verdient und überall äußerst positive Rezensionen erhielt.

Grandios wird Rudy von Alan Cumming gespielt, der als Sänger in Frauenkleidern seinen Lebensunterhalt verdient und sich ganz selbstverständlich um den verwahrlosten Sohn seiner drogenabhängigen Nachbarin kümmert, als diese für längere Zeit ins Gefängnis muss. Das funktioniert auch alles so halbwegs, bis herauskommt, dass er nicht mit seinem Cousin zusammenlebt, sondern mit seinem Lebensgefährten und als homosexuelles Paar erhalten sie – trotz aller Anstrengungen und Versuche – nicht das Sorgerecht für den u. a. am Down-Syndrom erkrankten Jungen, der kaum spricht und den eigentlich keiner haben will. Der jedoch den Wunsch äußert, weiter bei dem sich liebevoll um ihn kümmernden Paar zu bleiben und dieses als seine Familie ansieht. Letztendlich kommt er wieder zu seiner immer noch überforderten Mutter, die mittlerweile aus dem Gefängnis entlassen ist. Als sie ihn in den Hausflur schickt, weil er sie gerade mal wieder stört, macht er sich auf die Suche nach seinem „richtigen“ Zuhause, findet aber nicht den Weg und stirbt nach einigen Tagen.

Alan Cumming spielt seine Rolle absolut brillant und überzeugend, jenseits der allzu oft überzogenen tuntigen Darstellungen, die voller Rollenklischees sind und die sonst meist mit solchen Rollen einhergehen. Er ist einfühlsam und es wäre schön, wenn wir ihn öfters in solchen oscarverdächtigen Rollen sehen könnten, das Potential dazu hat er, wie er hier beweist.

Der Film spielt Ende der 70er-Jahren und doch ist doch recht aktuell, denn homosexuelle Paare können erst seit Oktober 2017 in Deutschland gemeinsam adoptieren. Leider gibt es den Film nicht in einer deutschen Version, sicherlich hätten dadurch dadurch einige in Deutschland ihren Standpunkt zu dem Thema eher geändert, denn er führt anschaulich die bestehenden Vorurteile ad absurdum. Übrigens, der Film wurde inspiriert durch eine wahre Geschichte.

Der Film endet mit einem Brief und dem Zeitungsartikel über den Tod des Jungen, der an alle, die zum Urteil beigetragen haben, geht – was mir gut gefällt. Wie oft habe ich in Deutschland in der Zeitung gelesen, dass das Jugendamt, Richter etc. – alles Menschen, die es hätten besser wissen müssen – Kinder wieder in Situationen schicken, deren trauriger Ausgang abzusehen ist. Auch wenn diese Menschen juristisch nicht belangt werden können, so zeigt der Brief zumindest den Missstand auf und klagt sie an.

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#MeToo und was nun?

Screenshot-2017-10-29 Alyssa Milano ( Alyssa_Milano) Twitter

Unter dem Hashtag #MeToo ging gerade eine Welle des Protestes durch die sozialen Netzwerke, der sich weltweit zahlreiche Frauen anschlossen und ebenfalls ihre Geschichte erzählten. Andere verwiesen auf ältere Artikel, die sie bereits geschrieben haben, denn dies ist nicht der erste Hashtag zu diesem Thema, zuvor gab es zum Beispiel schon #YesAllWomen. Diesmal besteht jedoch ein kleiner Unterschied. Denn diesmal wird auf das Netzwerk des Schweigens und somit der Mittäterschaft hingewiesen. Es ist offensichtlich kein Einzelschicksal mehr, sondern es besteht ein System, dass dies zulässt und ermöglicht.

Insbesondere Rose McGowan, die durch die Serie Charmed bekannt wurde, gehörte zu den ersten, die Harvey Weinstein der Vergewaltigung anklagte und weiterhin lautstark darauf sowie auf das System des Schweigens und Wegschauens hinweist. Unterstützt wird sie von Alyssa Milano, die ebenfalls aus der Serie Charmed bekannt ist und die den Hashtag initiiert hat.

Doch obwohl schon seit längerem immer wieder Geschichten zu sexuellen Übergriffen und Gewalt an Frauen in der Öffentlichkeit bekannt werden, in der Hoffnung so öffentliche Aufmerksamkeit und damit Änderungen zu erzielen, hat sich bisher nichts wirklich verändert. Die Enttäuschung darüber wird deutlich bei den zahlreichen Verweisen auf bereits vor Jahren dazu geschriebenen Artikeln. Doch warum ändert sich nichts? Wie können wir etwas ändern?

Im Emma Magazin gab es einen Artikel dazu. Dort äußert sich Quentin Tarantino und gelobt Besserung. Und auch einige andere Männer stellen unter dem Hashtag #HowIWillChange in Aussicht sich zu ändern. Natürlich wäre es schön, wenn wir Frauen uns zurücklehnen könnten und von nun an Männer sich plötzlich ändern und sich richtig verhalten würden. Doch ich warte schon länger darauf und bin mittlerweile misstrauisch geworden, ob das alles so einfach klappt. Denn warum bekennt sich Quentin Tarantino erst jetzt zu seinem Fehlverhalten und nicht schon direkt nach der ersten oder zweiten betroffenen Freundin? Für mich haben all diese Beteuerungen etwas von denen der Männer, die ihre Frauen schlagen und trotz aller Versprechen letztendlich nicht aufhören, sodass ich mich nicht wirklich entspannt zurücklehnen kann.

Vielleicht sollten wir Frauen mal nicht darauf warten, dass wir gerettet werden, sondern uns zusammen tun und selbst etwas dagegen unternehmen. Die Frage ist nur was? Denn wir Frauen sind nicht die Vergewaltiger und Täter und es nicht an uns damit aufzuhören oder unser Verhalten zu ändern. Aber es ist an der Zeit, da wir lange genug auf Einsicht gehofft haben, wieder eine aktive Rolle einzunehmen, indem wir das System ändern, dass dies zulässt. Denn wie diesmal der Hashtag offenbart, handelt es sich um ein systemimmanentes Problem. Doch zunächst müssen wir das System benennen, um so besser seine Strukturen zu verstehen, um sie dann aufzulösen. Das System, in dem wir seit etwa 6.000 Jahren leben, ist das Patriarchat mit seinen hierarchischen Strukturen, das dadurch noch für viele weitere grundlegende Probleme der Menschheit verantwortlich ist.

Darüber hinaus müssen wir uns bewusst sein, dass wir Frauen keine Minderheit sind. Wir stellen die Hälfte der Bevölkerung dar und wenn uns die einsichtigen Männer unterstützen, wie sie immer versprechen, sind wir die absolute Mehrheit. Wahrscheinlich auch so, wenn wir uns nur alle zusammen tun würden. Wir können und sollten somit auf verschiedenen Wegen etwas ändern, damit nicht alle paar Jahre wieder ein ähnlicher Hashtag die Runde macht.

Zum einen können wir auf politischer Ebene aktiv werden und so Gesetzesänderungen ebenso wie deren Umsetzung bewirken, sodass Richter nicht mehr die Gewalt an uns relativieren können, weil „er es doch nicht so gemeint hat“, „nur ein Ausrutscher war“ oder „wir doch bedenken sollen, welche Auswirkungen es auf seine Karriere haben würde“, wobei das gewiss nicht unsere Aufgabe ist, sondern der Täter selbst dies vorher hätte bedenken müssen. Außerdem sollte vielmehr wieder in den Mittelpunkt gerückt werden, welche Auswirkung dies auf uns Frauen hat. Warum wird danach so gut wie nie gefragt?

Durch Gesetze können wir auch bewirken, dass auf den verschiedenen Ebenen bis zur obersten Führungsebene immer zumindest 50 % Frauen sind, sodass die Wahrscheinlichkeit solcher Übergriffe geringer wird.

Auf privater Ebene sollten wir nicht weiter ein solches Verhalten belächeln, wie viele es bei den sexistischen Witzen und Sprüchen machen, die wir immer wieder hören, sondern es als solches benennen und unsere Ablehnung klar zum Ausdruck bringen. Wir sollten Frauen – insbesondere in unserem direkten Umfeld – glauben und sie unterstützen. Wir sollten uns mit Frauen über die verschiedenen Lebensentwürfen und Altersstufen hinweg vernetzen – ebenso wie sich Männer vernetzen – damit erfolgt nicht nur ein Erfahrungsaustausch, sondern Widerstand kann gemeinsam organisiert und Alternativen entwickelt werden.

Indem wir begreifen wie die patriarchalen Strukturen, in denen wir alle leben, aufrechterhalten werden, können wir dort ansetzen, um diese Strukturen und so die unterschiedlichen Formen von Gewalt – sei es körperlich oder verbal – hinter uns zulassen.

Die Keimzelle der patriarchalen Gesellschaft ist die patriarchale Kleinfamilie, die uns seit klein auf von allen Seiten – insbesondere auch durch die Filmindustrie – als das alleinig glücklich machende Ziel vermittelt wird, das wir unter allen Umständen erreichen müssen. Doch vielmehr erfahren ein Großteil der Frauen hier bereits die erste Gewalt. Denn 44 % der Frauen in Deutschland haben körperliche, sexuelle oder psychische Gewalt vor ihrem 15. Lebensjahr erlebt. Dies führt dazu, dass wir diese Gewalt gegen uns als etwas Normales betrachten und weiterhin hinnehmen. Jungs lernen ebenfalls, dass dies scheinbar normal und in Ordnung ist, was das so „wichtige“ männliche Vorbild, auf das die patriarchale Gesellschaft so beharrt, dann oft vorlebt. Ebenso lernen wir als Kinder zu gehorchen und keine Widersprüche zu geben. Wir verinnerlichen dadurch diese ungesunden Strukturen und lernen uns zufügen und nicht gegen Ungerechtigkeiten aufzubegehren. Somit verfestigen wir mit der patriarchalen Kleinfamilie lediglich die bestehenden Strukturen. Daher ist es unerlässlich, dass wir andere Formen des Zusammenlebens finden sowie andere dabei unterstützen.

Da das Patriarchat vor etwa 6.000 Jahren die Mutter zentrierte Gesellschaft abgelöst hat, von denen es immer noch einige wenige kleine Gemeinschaften gibt, haben wir damit ein alternatives Lebensmodell zur Verfügung, dass jeder einzelne von uns – eventuell etwas adaptiert – realisieren kann. Somit kann das Fundament der patriarchalen Gesellschaft aufgeweicht und ersetzt werden. Aber auch hier ist es nötig auf gesetzlicher Ebene solche Lebensweisen zu schützen, denn wir sehen gerade auch einen erheblichen Angriff darauf, zum Beispiel durch das erzwungene Wechselmodell.

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